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Geleitwort
Der Viktoria-Luise-Platz
in Schöneberg gilt unter Kennern neben dem Pariser Platz und dem
Gendarmenmarkt als einer der drei schönsten Stadtplätze von Berlin.
Allen drei genannten Plätzen
ist zu eigen, daß ihre Anlage, bzw. dekorative Begrünung erst im
ausgehenden 19. Jahrhundert, also in der Kaiserzeit geschah, ihr Bestand
jedoch im und nach dem 2. Weltkrieg auf’s höchste gefährdet schien.
Durch aktives restauratorisches Tun der Berliner Gartendenkmalpflege
konnten jedoch in den letzten 20 Jahren jedoch alle drei Stadtplätze in
ihrer alten Schönheit restauriert, bzw. instandgesetzt werden, wie übrigens
auch zahlreiche andere Berliner Schmuckplätze. Entscheidend ist jedoch,
daß der Viktoria-Luise-Platz der erste Berliner Stadtplatz war, der
gleich nach der Gründung der Gartendenkmalpflege, d.h. ab 1978, in
enger Kooperation mit dem bezirklichen Gartenbauamt im
denkmalpflegerischen Sinne instandgesetzt werden konnte.
Vom Viktoria-Luise-Platz
ging nach seiner, von der Bevölkerung, der Politik und zahlreichen
Besuchern freudig akzeptierte Wiederherstellung eine mehr als positive
Resonanz aus. Es zeigte sich hier erstmalig in überzeugender Weise, daß
Denkmalschutz und -pflege kein Selbstzweck sind, sondern eine lange Zeit
verschüttetes Akzeptanz- und spezifisches Nutzungspotential neuerlich
begeistert angenommen wurde.
Heute wissen wir, daß
Identifikation der Bürger/innen mit ihrem näheren Umfeld wesentlich für
das Wohlbefinden und die Lebensfähigkeit und damit für die Zukunft
unserer Städte ist. In der Gestaltung des öffentlichen Freiraumes
kommen Selbstverständnis und Lebensgefühl einer Gesellschaft zum
Ausdruck. Der städtische Freiraum, namentlich der gartenkünstlerisch
gestaltete, ist Ort des sozialen Lernens, der Begegnung und Erfahrung.
Die Instandsetzung der
wunderbaren Stadtplätze Berlins ist damit, seit dem Modellfall
Viktoria-Luise-Platz, - übrigens auch bundesweit - ganz selbstverständlicher
Teil einer ressourcenschonenden und identitätsstiftenden
Stadtentwicklungspolitik. Im Zuge einer Rückbesinnung auf die ureigenen
Qualitäten von urbanen Leben und auf einen behutsamen Umgang mit
gewachsenen städtischen Ressourcen wurden eben nicht nur Beiträge zur
Ökologie geleistet, sondern auch Grundlagen für eine kulturelle und
soziale Gesellschaftspolitik gelegt.
Mögen sich die
zahlreichen Nutzer des wundervollen Vicky’s, wie die Anwohnen
liebevoll sagen, dessen manchmal auch bewusst erinnern und nicht
vergessen, daß Kunst und Kultur auch Pflege und Rücksicht braucht.
Nicht zuletzt in Sommermonaten droht zuweilen eine extreme, ja fast rücksichtslose
Übernutzung das Objekt der Begierde zu vernichten.
Allen die der
Viktoria-Luise-Platz so wie ich lieben und achten - denn Kinder und
Enkel wollen sich nach weiteren 100 Jahren auch noch an ihn erfreuen -
sei die 200 Jahre alte Mahnung des berühmten Wörlitzer Warnungsaltars
in Erinnerung gerufen:
Wanderer
Achte Natur und Kunst
und schone
Ihrer Werke.
K. v.
Krosigk
Berlin, im März 2005
Gartenbaudirektor
und stellv.
Landeskonservator
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