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Sagen aus Neukölln-Kreuzberg-Friedrichshain
Die wilde Jagd Die Unterirdischen in der Hasenheide Der Stralauer Fischzug
Die wilde Jagd
Ohnehin
von schrecklichem Aussehen, kommen sie der angeborenen Wildheit durch
Kunst und Ausnutzung der Zeit zu Hilfe. Schwarz sind die Schilde,
gefärbt die Leiber; dunkle Nächte wählen sie zum Kampf, und schon das
Grauenvolle und Schattenhafte ihres Totenheeres jagt Schrecken ein: kein
Feind hält dem ungewohnten und gleichsam höllischen Anblick stand.
Denn in jeder Schlacht erliegen ja zuerst die Augen. Das
Wiehern der Pferde galt als Vorzeichen für Kampf oder Glück. Die Rosse
waren in den Totenkult mit eingebettet, indem sie Leichen zogen,
Verbrecher zu Tode schleiften oder mit ihren Herren verbrannt und
bestattet wurden. (Körnerpark). In
Sagen und Märchen besaßen Pferde die Gabe des Redens, wobei Ross und
Reiter zu einer mystischen Einheit verschmolzen, z.B. der einäugige
Gott Wotan (Odin) mit seinem achtfüßigen Hengst Sleipir. Der germanische Totengott erschien als menschliche Hypostase eines Dämon in Pferdegestalt. Das Pferd, halb menschlich und halb göttlich war scheinbar ein Gehilfe wie Verbündeter des Todes.
Die wilde Jagd zeigt sich im Grunewald, in der Hasenheide, im Grunewald und in den Müggelbergen.
Die Unterirdischen in der Hasenheide
Zu einer Frau, die am Rande der Hasenheide wohnte, kamen eines Abends zwei kleine Männlein und baten um eine Schüssel, legten sie über zwei Stecken und trugen sie wie auf einer Trage davon. Am anderen Morgen fand sie die Schüssel mit einem Stück köstlichen Bratens wieder vor der Haustür. So ging es eine ganze Woche hindurch. Bald brauchten die Kleinen eine Pfanne oder einen Topf, ein Messer oder einen Löffel. Und immer erhielt die Frau ein Gegengeschenk. Da wurde sie endlich neugierig. Sie folgte heimlich den beiden Boten, die in einer Höhle verschwanden. Da sah sie einen schnurgeraden gepflasterten Gang, der zu einer unterirdischen erleuchteten halle führte, in der geschäftige Köche die Mahlzeit für das kleine Volk bereiteten. Sie kehrte verwundert heim. Am anderen Ab end gab sie den Männlein allerlei Kräuter und Gewürze mit. Die Freude war unbeschreiblich. Und als Lohn fand sie fortan ein Goldstück vor ihrer Tür, so dass sie bald eine reiche Frau war und sorgenlos leben konnte. Als die Menschen aber anfingen, die Hasenheide immer mehr zu bevölkern, da gaben die Unterirdischen ihren Wohnsitz in der Hasenheide auf und wurden nie wieder gesehen.
Der Stralauer Fischzug
Der
Bartholomäustag (24. August) als gesetzlicher Festtag des Stralauer
Fischzuges ist quellenkundlich nicht zu belegen, er läßt sich nur
historisch ableiten. In allen Urkunden und Darstellungen vor 1574 ist
dieser Tag in der Geschichte Stralaus ohne besondere Erwähnung und
Bedeutung. Bartholomäustag. In Stralow bei Berlin feiert man an diesem Tage das bekannte Fischzugsfest; die Fischer der Gemeinde ziehen früh Morgens mit Musik hinaus und thun fünf Züge mit dem großen Garne, deren Ertrag hauptsächlich für den Prediger des Dorfes bestimmt ist. Nachher gehts zum Dorfe zurück, wo sich bald die gedrängten Massen der Städter einfinden und den Tag in Jubel, dem auch Puppenspiel und andre Belustigungen, so wie ein Markt mit Glücksbuden und dergleichen nicht fehlen, hinbringen. - Ehmals bekam der Prediger auch alljährlich einen Stiefel, angeblich, damit er den zwischen Kirche und Dorf gelegenen Graben durchschreiten könne; doch ist diese Leistung jetzt in eine Geldzahlung von jährlich 11/2 Thaler verwandelt. - Dabei mag erwähnt werden, daß der Prediger in Käthen in der Altmark ebenfalls alljährlich einen Schuh erhält.
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