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Pressestimmen
Der Tagesspiegel
8. Juni 2000
Viktoria-Luise-Platz
Vor 100 Jahren wurde das Areal eröffnet
von Harald Olkus
Der Viktoria-Luise-Platz hat sich seit seiner Übergabe am 9. Juni 1900
nur
wenig verändert: Damals wie heute plätschert in der Mitte der Springbrunnen,
sechs Wege laufen darauf zu. Am westlichen Ende stehendie Kolonnaden,
und zwischen den Wegen ist Rasen gesät, der nicht betreten werden darf.
Auch dieses Verbot gilt heute noch. Bei seiner Einweihung stand der vom
königlichen Garteninspektor Fritz Enke gestaltete Platz allerdings
allein auf
weiter Flur: Eine Postkarte zeigt, dass die Häuser noch fehlten.
Der Viktoria-Luise-Platz entstand wie der Potsdamer Platz am Reißbrett.
Er war geplant als Zentrum eines neuen Viertels für das gehobene Bürgertum
-
des Bayerischen Viertels. Die Fassaden waren üppig mit Stuck verziert,
die
Dächer erhielten Pickelhauben. Für den heutigen Gartenbaudirektor
Klaus von
Krosigk ist das Areal neben Pariser Platz und Gendarmenmarkt der schönste
Stadtplatz Berlins. So sieht das auch Susanne Twardawa, die Besitzerin
des
nahegelegenen Motzbuch-Ladens, die zum Jubiläum die Geschichte des
Platzes
und seiner Bewohner ein Buch herausgegeben hat.
Prinzessin Viktoria Luise war sechs Jahre alt, als man den Platz nach
ihr benannte.
Als Jugendliche wohnte die spätere Mutter des Welfenprinzen Ernst
August einige
Monate im Jahr in einem der Häuser am Platz. "Im Sommer wohnt der
Adel in
Charlottenburg, im Winter in Schöneberg", zitiert die Autorin ein
Berliner Sprichwort.
Im "Ilse-Middendorf-Institut für erfahrbaren Atem" sind noch
Reste eines Ballsaales der
Prinzessin erhalten.
Auch Billy Wilder wohnte am Platz. Eine
Gedenktafel erinnert daran. Er verdankte seine
"Bude" dem Verkauf seines ersten Filmexposés: Die Tochter
seiner Wirtsleute hatte
Herrenbesuch, als überraschend ihr Verlobter erschien. Der Liebhaber
versteckte sich
schnell in Billy Wilders Zimmer und stellte sich mit "Gestatten,
Galitzenstein vom Maxim-
Film" vor. Wilder nutzte die prekäre Situation und nötigte ihm
seinen Drehbuchentwurf
auf. Galitzenstein gab ihm 500 Mark, ließ aber das Exposé liegen, als
die Luft wieder
rein war.
Das Haus Viktoria-Luise-Platz 1 ist, wie einige andere, den Bomben des
Zweiten Weltkriegs zum Opfer gefallen. Seine Fassade, mit der Commerz- und
Diskonto-Bank im
Erdgeschoss, hat aber in einer Zeichnung überdauert: Sie diente
Walter Trier, dem
Illustrator von Erich Kästners "Emil und die Detektive", als Vorlage für
die
Geschichte des Bankräubers, der beim Überfall auf eine Schöneberger Bank erwischt
wird.
Die Nordseite des Platzes dominiert das Haus des Lette-Vereins. Ab 1902
wurde hier
"unverheirateten Frauenzimmern der mittleren und höheren Bevölkerungsschichten"
die
Möglichkeit eröffnet, selbst ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der
Lette-Verein
entwickelte sich von der Hauswirtschaftsschule über eine
"Typographische" und
"Photographische Lehranstalt" zu einer Bildungsstätte für
Lehrerinnen. Heute ist es eine
Berufsfachschule für Fotografie, Grafik- und Modedesign.
Der hundertste Jahrestag des Viktoria-Luise-Platzes wird entsprechend
gewürdigt:
So hat das Gartendenkmalamt neue Informationsschilder aufgestellt, die gestern im
Beisein von Vertretern der Bezirkspolitik übergeben wurden. Für die Anwohner gibt
es am
morgigen Freitag ein Straßenfest, und der Lette-Verein öffnet für einen Tag
seine Türen.
Nach anfänglicher Zurückhaltung steuert auch das Bezirksamt Schöne-
berg einen Teil bei: Am Abend spielt
auf seine Kosten eine Klezmer-Band auf dem Platz.
Susanne Twardawa: "100 Jahre
Viktoria-Luise-Platz in Berlin-Schöneberg"
Landesdenkmalamt Berlin: "20 Jahre Gartendenkmalpflege in
der Metropole Berlin",
Anke Kuhbier: "Grün-Historische Gärten und Parks der
Stadt"
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