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Pressestimmen
Berliner Morgenpost
8. Juni 2000
Alles Gute zum Geburtstag, Vicki!
Der Viktoria-Luise-Platz wird 100 - eine große Feier gibt es nicht
von Alexander Uhl
Schöneberg - «Geschmackvoll», urteilte der Kaiser wohlwollend, als
ihm die
Pläne vorgelegt wurden. Und zur Übergabe des Platzes am 9. Juni 1900
schrieb
der Reporter des Schöneberger Tageblatts: «Im Frühlingsschmuck
prangte nun
gestern das vollendete Werk, das für die Weltstadt Berlin der
Nachahmung wert
erscheint.» Das Werk war so gut gelungen, dass Wilhelm II. huldvoll
zuließ, dass
der Platz in der Stadt Schöneberg vor den Toren Berlins den Namen
seiner
Tochter erhielt: Viktoria-Luise-Platz.
Morgen wird der «Vicki» 100 Jahre alt, doch der Geburtstag wird kaum
zum Erlebnis
werden, obwohl man, so eine Anwohnerin, «da was ganz Großes hätte
machen können».
Die Berlinische Bodengesellschaft unter ihrem Direktor Georg Haberland
hatte 1898
einen Wettbewerb zur Gestaltung des Areals ausgeschrieben. Gewinner war
Fritz
Encke, Lehrer für Landschaftsgärtnerei, der den «Schmuckplatz» als
Eingangstor zum
Bayerischen Viertel baute, früher «Klein-Nürnberg» genannt. Vor allem die gärtnerischen
Elemente - Blumenbeete, Palmen, Linden - aber auch die Kolonnaden und die Fontäne
gaben ihm sein Gesicht. Gespart wurde weder am Platz noch an den umliegenden
Häusern, sollten doch wohlhabende Bürger in das Bayerische Viertel ziehen.
Die meisten Häuser um den Vicki sind bis heute erhalten, der Weltkrieg
hat hier nur
wenige Lücken gerissen. Prunkstück neben der Fontäne sind die Kolonnaden,
die
allerdings von der Zeit und Graffiti-Schmierereien ziemlich mitgenommen waren.
Gestern
wurden sie, von der Farbe befreit, durch Gartenbaudirektor Klaus von
Krosigk und Schönebergs
Baustadtrat Gerhard Lawrentz der Öffentlichkeit über-
geben. 20 000 Mark hat sich
das Landesdenkmalamt die Aktion kosten lassen,
denn die Farbe war so tief in den Stein
eingedrungen, dass die üblichen Methoden
nichts halfen. Modernste Lasertechnik musste ran.
Doch von Krosigk ist
überzeugt, dass sich der Einsatz lohnt: «Der Viktoria-Luise-Platz
nimmt eine einzig-
artige Spitzenstellung ein und ist mit dem Mexikoplatz, dem Savignyplatz oder
dem
Pariser Platz vergleichbar.»
Dennoch gehen viele Anrainer schludrig mit dem Kleinod um. Lawrentz
beklagte sich vor
allem über das Müllproblem. Manche würden sogar auf dem Rasen grillen. Auch
von
Krosigk mahnte zu einem vorsichtigen Umgang mit dem Platz.
Ganz in diesem Sinne gibt es kaum Feierlichkeiten zum 100. Nicht einmal
der Lette-
Verein, der doch immerhin schon seit Oktober 1902 im Haus
Nummer 6 residiert,
plant eine größere Feier. Susanne Grantze von der Bibliothek des Vereins meint:
«Ich finde das ja auch
traurig, aber Freitag ist der letzte Schultag vor den Pfingstferien.
Da
bleibt einfach keine Lücke. Wir verweisen auf unseren Tag der offenen
Tür am
14. November.» Der Lette-Verein will morgen einen Info-Stand
aufbauen und Kuchen
verkaufen.
Und im Bezirksamt Schöneberg winkt man ab: «Der Platz wurde ja sehr
wohl unterstützt
und wiederhergestellt», sagt Sprecherin Gabriele
Springfeld. «Und wir beteiligen uns an
dem Programm.» Man zahlt einen Teil des Honorars für die Klezmer-Band «Harry's
Freilach», die am Freitag von etwa 18 bis 20 Uhr spielen wird. «Schöneberg hat so
viele Plätze», fügt Frau Springfeld hinzu. «Die können Sie doch
alle vergessen», kontert
von Krosigk.
Foto Meyer will morgen anlässlich des 100-Jährigen und des eigenen 30.
Firmen-
jubiläums für Stimmung sorgen: Neben Promotion-Aktionen von Fuji
und Olympus
wird eine Maskenbildnerin Kinder schminken.
In der Buchhandlung «Motzbuch» wird heute um 20 Uhr das Werk «100
Jahre Viktoria-
Luise-Platz in Berlin-Schöneberg» von Susanne Twardawa präsentiert. Die Autorin
sagte gestern: «Wir wollten kein Straßenfest. Der Platz ist würdig genug. Und wenn die
Anrainer etwas
Größeres wollen, dann hätte das der Bezirk organisieren müssen.»
Ab elf Uhr gibt es morgen kostenlose Führungen über den Platz. Die
Kopernikus-
Apotheke stellt historische Fotos im Schaufenster aus. Falls die Elektriker es
schaffen, soll die
Fontäne außerdem bis Mitternacht angestrahlt werden.
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