motzbuch - der Buchladen in Schöneberg | |||||||||||
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Winterfeldtplatz neu
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Susanne Twardawa Der Nollendorfplatz in Berlin Schöneberg motzbuch-edition 3
Eingang zum U-Bahnhof Nollendorfplatz 1813 rief Friedrich Wilhelm III, König von Preußen, pathetisch zum Kampf gegen die Franzosen auf. ...keinen anderen Ausweg gibt es, als einen ruhmvollen Frieden oder einen ruhmvollen Untergang... und tatsächlich siegten die Preußen und ihre Verbündeten, nachdem sie vorher schwere Niederlagen einstecken mußten. Als 1864 unter dem Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné eine Gürtelstraße an der Grenze zu Berlin gebaut wurde, gab man den Straßenabschnitten und den in Intervallen angelegten Plätzen zum 50-jährigen Jubiläum der Befreiungskriege Namen aus dieser Zeit. Fürst von Bülow verteidigte Berlin und Graf von Kleist errang in Nollendorf einen entscheidenden Sieg.Nach den Gründern des Zollvereins (1834), Karl Georg von Maaßen und Friedrich Adolf von Motz, erhielten 1870 die Wege ihre Namen, die sich im Nordteil Schönebergs kreuzten.
Lesser Ury 1901/2
Blick über den Das Geburtshaus der Dichterin und Nobelpreisträgerin Nelly Sachs (1891) steht in der Maaßenstraße 12. In der Bülowstraße 1 wohnte der Schriftsteller Georg Büchmann, bekannt durch seinen Longseller "Geflügelte Worte", bis er in die Zietenstraße 20 umzog. 1906 erschien mit großem Erfolg die Berliner Familiengeschichte "Jettchen Gebert" des Schriftstellers Georg Hermann aus der Bülowstraße. Der Schriftsteller Erdmann Graeser siedelte seine Romanfamilie "Die Koblanks" in dem Kiez an, in dem er seine Kindheit verlebt hatte. Samuel Fischer ließ sich 1897 mit seinem Verlag in der Bülowstraße 90/91 nieder.
Bülow / Maaßenstraße
Im Hause Maaßenstraße
1
Sezessionistische Künstlergruppen suchten sich von den offiziell anerkannten Künstlerverbänden zu lösen. Am U-Bahngebäude Nollendorfplatz, Ausgang Einemstraße, zeigt eine Tafel einen jener kritischen Maler, Lesser Ury, in seinem Arbeitsraum.
Lesser Ury - Ein
Hauptmeister Sich schnell verändernde Momente in der Großstadt haben ihn besonders gereizt. Er stattete seine Bilder mit expressionistischen Licht- und Farbelementen aus. Lesser Ury litt in seinen letzten Lebensjahren bis zu seinem Tode 1931 unter einem fast pathologischen Mißtrauen gegenüber anderen Menschen. In der Nazizeit wurde die Hälfte seines Gesamtwerkes zerstört.
Von 1940 bis 1990 bewohnte der Theaterkritiker Friedrich Luft eines dieser Landhäuser in de Maienstraße 4.....Zu den ausgesuchtesten Genüssen des denkenden, fühlenden Menschen rechnen die stillen Wonnen des Spazierengehens .
Hier wohnte und
arbeitete Dieser Satz von Friedrich Luft kann im Café Einstein, Kurfürstenstraße 58, bei aromatischem Café, überdacht werden.Das Haus gehört ebenfalls zum Kielganviertel. Es war bis in die 50er Jahre Eigentum der Schauspielerin Henny Porten, die aus Deutschland flüchten mußte, weil sie sich nicht von ihrem jüdischen Mann trennen wollte. Sie schenkte es dem Berliner Senat, heute befinden sich darin das Café und die DAAD - Galerie- eine Galerie für Ausstellungen und Lesungen des Berliner Künstlerprogramms.
Café Einstein Die Häuser in der Kurfürstenstraße 57 und 59 sind ebenfalls noch erhalten. Gegenüber, Kurfürstenstraße 132, steht die Villa Fromberg. Sie gehörte einst dem Privatbankier Georg Fromberg, um die Jahrhundertwende einer der reichsten Männer Berlins. Die Architekten Cremer und Wolffenstein, die auch die U-Bahn-Halle am Nollendorfplatz entworfen hatten, schufen die ausgefallenen Schnitzereien und das Schieferdach.
Villa Fromberg. Aufnahme 2000 Die Architekten Wilhelm Cremer und Richard Wolffenstein bauten auch am Nollendorfplatz eine zeitgenössische Architektur. Dem parkartigen Charakter des Platzes entsprach die Ausschmückung des Bahnhofsgebäudes mit seiner im Zentrum der Anlage befindlichen Kuppel aus Eisen, Wellblech und Glas nach Vorbild Gustav Eiffels. ................Der vom Bildhauer Otto Westphal 1904 fertiggestellte "Nickelmannbrunnen", der fast ganz zubetoniert war, ist wieder freigelegt worden: lange Froschfinger mit kugelförmigen Kuppen und Schwimmhäuten, klobiges Wassermanngesicht. Ursprünglich sprudelte Wasser aus dem Mund des Wassermanns.
Nickelmannbrunnen
Pfeiler mit Ornamenten nach antiken Vorbildern ragen neben den Bahngleisen empor.
Verzierte Abstützung
Alte Aufnahme mit dem nicht mehr vorhandenen separaten Eingang zur U 4 Die U-Bahneingänge sind
umgeben von einem geheimnisvollen Ensemble verwitterter Lebewesen: zwei
aneinander gelehnte Pferde, ein Zahnrad, ein Bär, ein
Nollendorfplatz /Ecke Motzstraße 1925 Die Geschäfte hatten bis 9 Uhr abends geöffnet. Erst 1908 wurde das Preußische Ladenschlußgesetz geändert und die Öffnungszeiten auf 8 Uhr abends reduziert.
Berliner
Doppeldecker-Bus 1899 wurde die Nollendorfbar an der Ecke Maaßenstraße (heute Einemstraße)/ Bülowstraße als erstes Lokal am Platz eröffnet. In elegantem englischen Stil mit Spiegelwänden ausgestattet, hatte hier keiner etwas dagegen, wenn ältere Lebeherren junge Liebesdienerinnen trafen und die Nächte durchgetanzt wurden. Die Gegend entwickelte sich zum Vergnügungsviertel.1906 wurde das Neue Schauspielhaus, das heutige Metropol, am Nollendorfplatz vom Architekten Albert Fröhlich erbaut. Die Theater- und Saalbau- Aktiengesellschaft sah im Bau eines repräsentativen Unterhaltungsgebäudes und mehreren Restaurationssälen am Nollendorfplatz ein profitables Geschäft. Es entstanden ein Theater mit 1108 Plätzen und im gleichen Gebäude der vollständig mit Mahagoniholz verkleidete Mozartsaal, der als Konzertsaal gedacht war und in seiner pompösen Ausstattung den Kaiserlichen Hof und das reiche Bürgertum ansprechen sollte. Den Mittelpunkt der Fassade, im klaren Stil der beginnenden Moderne, bildet ein abgerundeter Vorsprung über dem Hauptportal mit Rundbogenfenstern.
Das Metropol Überlebensgroße Figuren bringen pathetische Elemente hinein. Wie das Theater das ganze Spektrum des Lebens zeigt, so drücken die tanzenden Figuren Gefühle zwischen Glück und Angst aus. Den unteren Abschnitt schmücken lächelnde und traurige Steinmasken.
Relief-Ausschnitt am
heutigen Zwei Turmanbauten, die über das Haus hinauswachsen, unterstützen die in den Himmel strebende Wirkung der vertikalen Pfosten, Pfeiler und Anbauten. Den Dachabschluß bildet ein zurückweichender Giebel. Einige barocke Elemente , wie abgesetzte Ecken , sind ebenfalls vorhanden. Als das Haus 1906 fertig war, wurde es wegen seiner uneinheitlichen und pompösen Fassadendekoration bespöttelt.
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