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Susanne Twardawa

motzbuch-edition 3


Der Nollendorfplatz 
in Berlin

vergriffen


3-935790-04-x

2., neu bearbeitete Auflage, 58 Seiten


 

LESEPROBE

Susanne Twardawa

Der Nollendorfplatz in Berlin Schöneberg

motzbuch-edition 3

 

Eingang zum U-Bahnhof Nollendorfplatz

1813 rief Friedrich Wilhelm III, König von Preußen, pathetisch zum Kampf gegen die Franzosen auf. ...keinen anderen Ausweg gibt es, als einen ruhmvollen Frieden oder einen ruhmvollen Untergang... und tatsächlich siegten die Preußen und ihre Verbündeten, nachdem sie vorher schwere Niederlagen einstecken mußten. Als 1864 unter dem Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné eine Gürtelstraße an der Grenze zu Berlin gebaut wurde, gab man den Straßenabschnitten und den in Intervallen angelegten Plätzen zum 50-jährigen Jubiläum der Befreiungskriege Namen aus dieser Zeit. Fürst von Bülow verteidigte Berlin und Graf von Kleist errang in Nollendorf einen entscheidenden Sieg.Nach den Gründern des Zollvereins (1834), Karl Georg von Maaßen und Friedrich Adolf von Motz, erhielten 1870 die Wege ihre Namen, die sich im Nordteil Schönebergs kreuzten.

Lesser Ury 1901/2 Blick über den
Nollendorfplatz.
Auf dem Bild,
ist das rote Backsteingebäude
an der Ecke zur Kleiststraße
zu sehen.
Die amerikanische Kirche existierte
noch nicht, aber die Baulücke
ist erkennbar.
Auch die Baulücke für das Neue
Schauspielhaus (Metropol)
ist links zu sehen.

Das Geburtshaus der Dichterin und Nobelpreisträgerin Nelly Sachs (1891) steht in der Maaßenstraße 12. In der Bülowstraße 1 wohnte der Schriftsteller Georg Büchmann, bekannt durch seinen Longseller "Geflügelte Worte", bis er in die Zietenstraße 20 umzog. 1906 erschien mit großem Erfolg die Berliner Familiengeschichte "Jettchen Gebert" des Schriftstellers Georg Hermann aus der Bülowstraße. Der Schriftsteller Erdmann Graeser siedelte seine Romanfamilie "Die Koblanks" in dem Kiez an, in dem er seine Kindheit verlebt hatte. Samuel Fischer ließ sich 1897 mit seinem Verlag in der Bülowstraße 90/91 nieder.

Bülow / Maaßenstraße 

 

Im Hause Maaßenstraße 1
wurde der Komponist und
Chefdirigent der Berliner
Philharmoniker von
1922-1954 Wilhelm Furtwängler
geboren.
(Text auf der Gedenktafel,
die sich dort seit 1986 befindet.)
Aufnahme von 2000

Sezessionistische Künstlergruppen suchten sich von den offiziell anerkannten Künstlerverbänden zu lösen. Am U-Bahngebäude Nollendorfplatz, Ausgang Einemstraße, zeigt eine Tafel einen jener kritischen Maler, Lesser Ury, in seinem Arbeitsraum.

 

Lesser Ury - Ein Hauptmeister
der Berliner Secession.
Er lebte und wirkte von 1920
bis zu seinem Tode in dem
im II. Weltkrieg zerstörten Haus-
Nollendorfplatz 1.
(Text auf der Gedenktafel )
Aufnahme 2000

Sich schnell verändernde Momente in der Großstadt haben ihn besonders gereizt. Er stattete seine Bilder mit expressionistischen Licht- und Farbelementen aus. Lesser Ury litt in seinen letzten Lebensjahren bis zu seinem Tode 1931 unter einem fast pathologischen Mißtrauen gegenüber anderen Menschen. In der Nazizeit wurde die Hälfte seines Gesamtwerkes zerstört.

 

 

Von 1940 bis 1990 bewohnte der Theaterkritiker Friedrich Luft eines dieser Landhäuser in de Maienstraße 4.....Zu den ausgesuchtesten Genüssen des denkenden, fühlenden Menschen rechnen die stillen Wonnen des Spazierengehens

.

 

Hier wohnte und arbeitete
50 Jahre lang bis zu seinem
Tode 1990 Friedrich Luft,
"Die Stimme der Kritik".
(Text auf der Gedenktafel,
die sich seit 1991 dort befindet)
Aufnahme 2000

Dieser Satz von Friedrich Luft kann im Café Einstein, Kurfürstenstraße 58, bei aromatischem Café, überdacht werden.Das Haus gehört ebenfalls zum Kielganviertel. Es war bis in die 50er Jahre Eigentum der Schauspielerin Henny Porten, die aus Deutschland flüchten mußte, weil sie sich nicht von ihrem jüdischen Mann trennen wollte. Sie schenkte es dem Berliner Senat, heute befinden sich darin das Café und die DAAD - Galerie- eine Galerie für Ausstellungen und Lesungen des Berliner Künstlerprogramms.

Café Einstein

Die Häuser in der Kurfürstenstraße 57 und 59 sind ebenfalls noch erhalten. Gegenüber, Kurfürstenstraße 132, steht die Villa Fromberg. Sie gehörte einst dem Privatbankier Georg Fromberg, um die Jahrhundertwende einer der reichsten Männer Berlins. Die Architekten Cremer und Wolffenstein, die auch die U-Bahn-Halle am Nollendorfplatz entworfen hatten, schufen die ausgefallenen Schnitzereien und das Schieferdach.

Villa Fromberg. Aufnahme 2000

Die Architekten Wilhelm Cremer und Richard Wolffenstein bauten auch am Nollendorfplatz eine zeitgenössische Architektur. Dem parkartigen Charakter des Platzes entsprach die Ausschmückung des Bahnhofsgebäudes mit seiner im Zentrum der Anlage befindlichen Kuppel aus Eisen, Wellblech und Glas nach Vorbild Gustav Eiffels. ................Der vom Bildhauer Otto Westphal 1904 fertiggestellte "Nickelmannbrunnen", der fast ganz zubetoniert war, ist wieder freigelegt worden: lange Froschfinger mit kugelförmigen Kuppen und Schwimmhäuten, klobiges Wassermanngesicht. Ursprünglich sprudelte Wasser aus dem Mund des Wassermanns.

Nickelmannbrunnen
Aufnahme von 2000

Pfeiler mit Ornamenten nach antiken Vorbildern ragen neben den Bahngleisen empor.

Verzierte Abstützung
Aufnahme von 2000


Die hohe Aufwertung der Technik hatte es ermöglicht, daß selbst Eisenstreben und Stahlträger mit Jugendstilornamenten dekorativ verziert wurden.

Alte Aufnahme mit dem nicht mehr vorhandenen separaten Eingang zur U 4

Die U-Bahneingänge sind umgeben von einem geheimnisvollen Ensemble verwitterter Lebewesen: zwei aneinander gelehnte Pferde, ein Zahnrad, ein Bär, ein
gelassen aussehendes Gesicht hauchen dem Stein Leben ein. Als würden sie, wie Bilder aus Grimms Märchen, den auf die U-Bahn Zueilenden zumurmeln, sich Zeit zu nehmen, sich zurückzulehnen, Däumchen drehen, die Bilder betrachten und Geschichten dazu erfinden.Bereits um die Jahrhundertwende kurvten die elektrische Straßenbahn, Sechseromnibusse und Kutschen um den Platz. Das erste Auto - ein Benz - fuhr seit 1892 durch Berlin.

Nollendorfplatz /Ecke Motzstraße 1925

Die Geschäfte hatten bis 9 Uhr abends geöffnet. Erst 1908 wurde das Preußische Ladenschlußgesetz geändert und die Öffnungszeiten auf 8 Uhr abends reduziert.

Berliner Doppeldecker-Bus
Aufnahme von 2000

1899 wurde die Nollendorfbar an der Ecke Maaßenstraße (heute Einemstraße)/ Bülowstraße als erstes Lokal am Platz eröffnet. In elegantem englischen Stil mit Spiegelwänden ausgestattet, hatte hier keiner etwas dagegen, wenn ältere Lebeherren junge Liebesdienerinnen trafen und die Nächte durchgetanzt wurden. Die Gegend entwickelte sich zum Vergnügungsviertel.1906 wurde das Neue Schauspielhaus, das heutige Metropol, am Nollendorfplatz vom Architekten Albert Fröhlich erbaut. Die Theater- und Saalbau- Aktiengesellschaft sah im Bau eines repräsentativen Unterhaltungsgebäudes und mehreren Restaurationssälen am Nollendorfplatz ein profitables Geschäft. Es entstanden ein Theater mit 1108 Plätzen und im gleichen Gebäude der vollständig mit Mahagoniholz verkleidete Mozartsaal, der als Konzertsaal gedacht war und in seiner pompösen Ausstattung den Kaiserlichen Hof und das reiche Bürgertum ansprechen sollte. Den Mittelpunkt der Fassade, im klaren Stil der beginnenden Moderne, bildet ein abgerundeter Vorsprung über dem Hauptportal mit Rundbogenfenstern.

Das Metropol
Aufnahme von 2000

Überlebensgroße Figuren bringen pathetische Elemente hinein. Wie das Theater das ganze Spektrum des Lebens zeigt, so drücken die tanzenden Figuren Gefühle zwischen Glück und Angst aus. Den unteren Abschnitt schmücken lächelnde und traurige Steinmasken.

Relief-Ausschnitt am heutigen
Metropol Aufnahme von 2000

Zwei Turmanbauten, die über das Haus hinauswachsen, unterstützen die in den Himmel strebende Wirkung der vertikalen Pfosten, Pfeiler und Anbauten. Den Dachabschluß bildet ein zurückweichender Giebel. Einige barocke Elemente , wie abgesetzte Ecken , sind ebenfalls vorhanden. Als das Haus 1906 fertig war, wurde es wegen seiner uneinheitlichen und pompösen Fassadendekoration bespöttelt.

 

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